YEXT – Basisdaten in der Nische

Disclaimer: Dies ist keine Anlageberatung. Alle Inhalte dienen lediglich Bildungs- und Unterhaltungszwecken. Bitte führt vor jeder Kauf- und Verkaufsentscheidung Eure eigenen Analysen durch oder besprecht Euch mit Eurem Anlageberater.

Ich habe von YEXT das erste mal in einer der letzten Folgen von Chit Chat Money gehört. Die Zahlen, die die beiden Jungs da vorgetragen haben, hörten sich sehr gut an und mein Interesse war geweckt. Aber so richtig verstanden, was das Unternehmen wirklich macht hatte ich nicht.

Schaut man auf der deutschen Seite, findet sich dort folgende Passage, die das Ziel des Unternehmens beschreiben soll:

„Mit Yext können Unternehmen Geschäftsinformationen in Form eines antwortfähigen Knowledge Graph anlegen und miteinander in Verbindung bringen, der ihre eigenen Websites und Dienste versorgt und mit Suchmaschinen, Kartendiensten, Apps, Sprachassistenten, Chatbots und mehr synchronisiert werden kann.”

Puh! Alles klar. Oder auch nicht. Ich hatte noch etwas weiter geforscht, um den „Kern“ dessen was YEXT tut herauszufinden.

Fündig wurde ich dann in einem Interview mit dem deutschen Managing Partner Michael Hartwig.

Aus diesen Informationen herauskondensiert würde ich sagen, dass YEXT ganz tief im Kern einfach nur eine Plattform ist, auf der Unternehmen ihre Firmen-Kontaktdaten wie Adresse, Telefonnummer, Öffnungszeiten pflegen können und diese Daten durch YEXT auf den vielen verschiedenen Orten im Netz, wo diese auftauchen können, kohärent auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Nehmen wir als Beispiel einen Zahnarzt, der eine eigene Website hat, aber dann auch im örtlichen Online-Unternehmensverzeichnis gelistet ist, desweiteren auf Goolge Maps zu finden ist und auch bei den Google Listings. Darüber hinaus gibt es noch zig mehr Stellen, wo solche Daten heutzutage online von Unternehmen hinterlegt werden können.

Hat man nun 20 bis 100 solcher Stellen und irgendetwas an diesen Daten ändert sich, ist es für eine kleine Firma eher kompliziert, den Überblick zu behalten und jeden Datenpunkt einzeln zu pflegen. Und wenn ich es richtig verstanden habe, kommt genau hier YEXT ins Spiel und übernimmt eben diese Arbeit als einzige zentrale Anlaufstelle für z.B. diesen Zahnarzt.

Darüber hinaus hat sich YEXT auch in Richtung Sprachassistenten weiterentwickelt, so dass auch im Falle von „Alexa, hat Zahnarzt XY am Mittwoch um 9 Uhr geöffnet?“ eine korrekte von eben diesem Zahnarzt zentral hinterlegte Antwort geliefert wird. Und sicher gibt es noch mehr Services die YEXT anbietet. Aber zum groben Verständnis reicht das glaub ich erstmal.

Kurzgefasst

Das Unternehmen ging erst im April 2017 an die Börse. Der Kurs schwankte dabei in den letzten 2 Jahren zwischen dem Tief von $10,60 und einem Höchstwert von etwa $27. Wie sich das für einen Tech-Wert gehört, sehen wir also ordentlich Volatilität.

Kurs (30.09.2019): $15,88

Umsatz je Aktie (erw. 12m): $2,87

Gewinn je Aktie (erw. 12m): $-

KUV (erw. 12m): 5,5

KGV (erw. 12m): –

KUV historisch (Schnitt 10J): 7,4

KGV historisch (Schnitt 10J): –

12m-Potential aus Umsatz-Erwartungswerten: 25%

12m-Potential aus Gewinn-Erwartungswerten: –

Umsatz

Die Umsätze sind in den letzten Jahren immer zwischen 30% und 35% p.a. gewachsen, die CAGR liegt laut Unternehmensangaben seit 2015 bei sogar 38%. Wie in der Grafik zu sehen gab es im letzten Quartal einen ganz leichten Rückgang des Wachstums. Daher würde ich auch für die Abschätzung der weiteren Entwicklung eher konservativer mit 25% rechnen. Damit ergibt sich für die kommenden 12 Monate ein erwarteter Umsatz von $324 Mio. Bei 112,75 Mio Aktien ergibt sich der Umsatz je Aktie zu $2,87 und damit das erwartete KUV zu 5,5.

Yext – Sales

In der kurzen Historie schwankt das KUV grob zwischen 4,9 und 9,6 mit einem Durchschnitt von 7,4. Auf diesen Durchschnitt sehen wir also auf 12 Monats-Sicht eine Unterbewertung von etwa 25%. Dabei bleibt zu beachten, dass ich eher konservative Parameter benutzt habe. Es kann hier also durchaus Überraschungen nach oben geben.

(Quelle: https://www.macrotrends.net/stocks/charts/YEXT/yext/price-sales)

Gewinne

Das Unternehmen macht bisher nur Verluste, daher kann über die Gewinne hier keine Bewertungs-Abschätzung erfolgen.

Die Sales & Marketing Ausgaben liegen zwischen 65% und 70% des Umsatzes, R&D zwischen 10-15% und General&Administrative knapp unter 20%.

Man kann also davon ausgehen, dass ab einem gewissen Sättigungsgrad die Marketing und Sales Ausgaben stark zurückgefahren werden „könnten“, was enorme Mittel freisetzen würde und zu stattlichen Gewinnen führen könnte.

Zusätzlich ist der operative Cashflow in den ersten zwei Quartalen 2019 positiv gewesen.

Yext – operational Cashflow

Chart

Yext – Chart

Das Unternehmen ist noch sehr jung, der Chart daher sehr kurz. Außer der etwas größeren Volatilität kann ich daraus erstmal nicht viel entnehmen. Wenn man es unbedingt möchte, könnte man hier eine Seitwärts-Range erkennen in deren Mittelfeld sich der Kurs gerade befindet. Platz nach unten wäre dann bis mindestens $13,50 (das letzte Tief Anfang 2019) oder sogar bis $11 (die Tiefs kurz nach dem IPO Anfang 2018).

Szenarien und Erwartungswerte

Durch die fehlenden Gewinne wird es nur ein Umsatz Szenario geben. Ich halte es dabei wie so oft sehr einfach.

Positiv (25%): 30% Wachstum, KUV Ausweitung auf 9

Neutral (60%): 25% Wachstum, KUV 7

Negativ (15%): 20% Wachstumk KUV 5

Damit errechnen sich die Erwartungswerte:

SPS * KUV = Preis (Abstand zum aktuellen Kurs)

Positiv: $3,04 * 9 = $27,4 (+72%)

Neutral: $2,87 * 7 = $20,1 (+27%)

Negativ: $2,8 * 5 = $14 (-12%)

Daraus errechnet sich dann der Erwartungswert zu:

25% * $27,4 + 60% * $20,1 + 15% * $14 = $21 (+32%)

Fazit

YEXT bearbeitet eine interessante Nische, von deren Bedeutung die meisten „betroffenen“ Unternehmen wahrscheinlich aktuell noch nicht einmal wissen. Das heißt, die Marketing und Sales Ausgaben sollten weiterhin sehr fruchtbar sein, wodurch ich weiteres Umsatzwachstum im Bereich von 25% p.a. und höher als realistisch einschätze.

Wie schwer oder einfach es ist für Wettbewerber ebenfalls dieses Feld zu beackern kann ich nicht einschätzen, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch hier die Wechselhürden recht hoch sind, wenn eine Firma erst einmal auf die Plattform gebracht wurde und alle „Kanäle angeschlossen“ sind. Selbst wenn ein Konkurrent preislich besser ist, wird sich dies in absoluten Zahlen wohl nicht so sehr lohnen, dass ein Unternehmen den Schmerz eines Wechseln bereit ist zu ertragen. Es wären also wohl sehr tiefe Taschen für Sales und Marketing bei einem Konkurrenz-Unternehmen notwendig. Wir könnten es hier also mal wieder mit einem „Winner takes all“ Markt zu tun haben, bzw. da ich eher keine Netzwerkeffekte sehe, vielleicht eher mit einem „wer zuerst kommt malt zuerst“ Markt.

Mit einem Potential zum Erwartungswert innerhalb der nächsten 12 Monate von etwas über 30% ist das Unternehmen definitiv ein auch aktuell interessanter Wachstumstitel.

Daher befindet sich YEXT auch im Compounding Wikifolio.

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